Durch die Verkettung unglücklicher Umstände sind die Rentner Irmgard und Hermann nicht in ihrer neuen Seniorenresidenz gelandet, sondern im Knast. Dabei handelt es sich nur um ein dummes Missverständnis – doch Irmgard und Hermann sind so überzeugt davon, dass sie nun in ihrer neuen Seniorenresidenz sind, dass sie den Irrtum gar nicht bemerken.
Die Häftlinge Kalle und Jaqueline wittern die Chance, um zu zeigen, dass sie sich gebessert haben, und hoffen, so Hafterleichterungen zu bekommen. Deshalb wollen sie sich ganz edelmütig um die beiden Rentner kümmern, bis sich das Missverständnis aufgeklärt hat.
Um die beiden älteren Herrschaften nicht zu beunruhigen, bestärken sie die beiden in dem Glauben, sich in einer Seniorenresidenz zu befinden – und ein absurdes Verwechslungsspiel nimmt seinen Lauf.
Die Gangsterbraut Jaqueline müht sich damit ab, eine mitfühlende Pflegekraft zu mimen und der tollpatschige Häftling Kalle schlüpft in die Rolle eines alten Mannes, der auch in der angeblichen Seniorenresidenz lebt.
Doch als die beiden Rentner Irmgard und Hermann immer vehementer die Annehmlichkeiten einer gehobenen Seniorenresidenz einfordern und immer häufiger auf andere zum Teil grobschlächtige Mithäftlinge und irritierte Justizvollzugsbeamte treffen, wird das Versteckspiel zum Spießrutenlauf, der in einem grandios komischen Chaos endet.
Das Stück nimmt die Zuschauer immer wieder in Lach-Haft und lässt sie ein unvergessliches Abenteuer hinter Gittern erleben.
Dr. Sandra/Stefan Reschke (76)
Sandra ist die Leiterin der JVA und zusätzlich gelernte Psychologin – doch um ihre eigene Psyche steht es nicht besonders gut. Sie brennt für ihren Beruf, doch er überfordert sie zunehmend. Sie ist fahrig und unkonzentriert und steht kurz vor einem Burnout. Sandra hatte ihrer Tante und ihrem Onkel versprochen, sich für sie um einen Platz in einer Seniorenresidenz zu kümmern – doch das hat sie in ihrem Stress total vergessen. Als ihre Tante wissen will, in welche Residenz sie nun fahren sollen, bestellt Sandra die beiden erst mal zur JVA, um dann weiter zu sehen, wo sie Onkel und Tante nun unterbringt und versorgt. Doch als die beiden dann im Gefängnis auftauchen, wird ihr alles zu viel und sie bricht zusammen.
Irmgard Krause (158)
Rentnerin und Tante von Sandra. Irmgard ist eine fröhliche, quirlige ältere Dame, die offen für Neues ist. Wenn sie lacht, verfällt sie schnell in ein Grunzen. Von ihrem Mann Hermann ist sie etwas genervt und liefert sich mit ihm immer wieder kleine Ehe-Scharmützel. Sie hat sich ein Bein gebrochen. Da sie fürchtet, Zuhause nicht mehr zurecht zu kommen, hat sie ihre Nichte Sandra damit beauftragt, einen Platz in einer Seniorenresidenz zu finden, in die sie gemeinsam mit ihrem Mann im Anschluss an die Reha einziehen kann. Irmgard geht mit Gehhilfen und trägt um ein Bein Gips, der praktischerweise aus einem zweiteiligen Gehgips zusammengesetzt wird. Dass ihre Nichte in der JVA arbeitet, weiß Irmgard nicht, da die beiden wenig Kontakt hatten. Als Sandra ihr die Adresse der JVA nennt und sie bittet, erst mal dorthin zu kommen, geht Tante Irmgard wie selbstverständlich davon aus, dass dort die besprochene Seniorenresidenz ist.
Hermann Krause (115)
Irmgards tüdeliger Mann; ein liebenswürdiger älterer Herr, der immer einen lustigen Spruch auf den Lippen hat. Aufgrund seines Alters passieren ihm immer wieder Missgeschicke, die seine Frau Irmgard in den Wahnsinn treiben. Seine Aussetzer und Verwirrtheiten beunruhigen ihn selbst aber nicht weiter – er streitet sie vielmehr ab. In jeder freien Minute löst Hermann leidenschaftlich seine Kreuzworträtsel.
Kalle (127)
Karl Huber, unschuldiger Häftling. Er ist ein gutmütiger Pechvogel, der für den rauen Knastalltag eigentlich gar nicht gewappnet ist. Durch seine Arglosigkeit muss der schwächliche Kalle immer wieder für das herhalten, was eigentlich andere verbockt haben. Weil er einen Hang dazu hat, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, sitzt er auch im Gefängnis; denn der eigentlich so korrekte undgewissenhafte Kalle hat sich, ohne es zu wissen, für eine Drogenkurierfahrt benutzen lassen. Sein großer Hoffnungsschimmer ist eine Frau, die er vor seinem Haftantritt kennen gelernt hat. Die beiden wollen heiraten, und Kalle setzt alles daran, dafür Hafturlaub zu bekommen. Kalle ist etwas pummelig und trägt die Haare korrekt zur Seite gekämmt. Als das Rentnerehepaar Irmgard und Hermann durch das eingangs genannte Missverständnis im Gefängnis landet, spielt er einen Bewohner aus der vermeintlichen Seniorenresidenz und kommt dabei kräftig ins Schwitzen. Bis zum Auftauchen von Irmgard und Hermann belegt er zunächst alleine eine der Zellen.
Bad-Girl Jaqueline/Bad-Boy Jerome (127)
Gangster-Rapper(in). Jaqueline ist ein dümmlicher Häftling mit recht derber Ghetto-Sprache. Sie träumt davon, als Gangster-Rapperin durchzustarten, sitzt allerdings immer wieder im Gefängnis, weil sie sich bei ihren Einbrüchen und Diebstählen schlicht zu dämlich anstellt. Jaqueline ist eine impulsive, manchmal etwas kopflose Frau, die allerdings ein gutes Herz hat. So nimmt sie auch den schwächlichen Kalle unter ihre Fittiche. Jaqueline kaut stets kräftig Kaugummi und trägt Tattoos – entfernbare, temporäre Klebe-Tattoos gibt es zu kaufen. Sie schlüpft für die Rentner in die Rolle der einfühlsamen Pflegekraft und jagt dabei von einem Fauxpas zum nächsten. Sie teilt sich eine Zelle mit Marlene. Bei männlicher Besetzung der Rolle teilt sie sich eine Zelle mit Kalle. Der Text muss dann an wenigen Stellen angepasst werden.
Boris Brandner (19)
Mitglied einer Rockerbande. Boris ist ein tumber, grobschlächtiger Schlägertyp, der in seiner Rockerbande für die Drecksarbeit zuständig ist. Er sitzt wegen schwerer Körperverletzung und Schutzgelderpressung ein. Seine Zeit im Knast verbringt er vor allem damit, seine Muskeln zu trainieren. Boris ist ein bulliger Typ mit Glatze und einem Tattoo am Hinterkopf. Er läuft mit einem extrem machtbewussten und breitschultrigen Gang. Boris hat ein sehr unheimliches Erscheinungsbild. Er schaut stets grimmig, lacht eigentlich nie, und wenn er aggressiv wird, bekommt er wilde Zuckungen im Gesicht. Bis zum Erscheinen der beiden Rentner belegt Boris zunächst allein eine Zelle.
Marlene von Heinrichs (63)
Wirtschaftskriminelle. Marlene ist eine äußerst intelligente, feine Dame. Sie sitzt im Gefängnis, weil sie reiche Menschen ihr Schwarzgeld in Aktienfonds investieren ließ, die es in Wirklichkeit gar nicht gab. So kam sie selbst zu großem Reichtum. Sie ist sehr darauf bedacht, auch unter den Widrigkeiten des Gefängnisses, ihre Würde und ihren Stolz zu wahren. Marlene macht sich so gut es geht zurecht und pflegt auch ihre kultivierte Art zu sprechen. Die piekfeine Marlene ekelt sich allerdings vor vielen Dingen im Knast und stößt auch mit den tumben Mithäftlingen immer wieder an ihre Grenzen. Sie teilt sich eine Zelle mit Jaqueline.
Frau Kunz/Herr Kunz (49)
Frau Kunz ist eine verbitterte Justizvollzugsbeamte, die die Schnauze von den Häftlingen mehr als voll hat. Durch ihre Berufserfahrung ist sie zu dem Schluss gekommen, dass man nur mit Strenge und Unerbittlichkeit den Respekt der Gefangenen bekommen kann. Deshalb spricht sie fast ausschließlich im Kommando- oder Brüllton mit den Gefangenen.
2 Statisten
die kurz als Sanitäter auftreten.
Die Komödie eignet sich für 8 Spieler und ist variabel zu besetzen mit 2 bis 5 Damen und 3 bis 6 Herren. Zusätzlich werden zwei Statisten für einen Kurzauftritt benötigt. Die Figuren sind individuell gekleidet – eine Häftlingskleidung gibt es in dieser JVA nicht.
Das Stück spielt sich im Flur eines Gefängnistraktes ab, der den Insassen gleichzeitig auch als Aufenthaltsraum während des Aufschlusses dient.
Dementsprechend ist er eingerichtet, wenn auch etwas karg. In der Mitte steht ein spartanischer Tisch mit Stühlen, an der rechten Seite ein Sofa mit einer Leselampe sowie ein Mülleimer. Außerdem hängt von der Decke ein Boxsack herab und es stehen Hanteln an der Wand.
Natürlich kann das Bühnenbild noch mit weiteren typischen Gegenständen wie z. B. einem Tischkicker o. ä. ausgestattet werden. Für die Handlung ist aber kein weiteres Inventar notwendig.
Von dem Flur gehen drei abschließbare Türen mit Sehschlitzen ab, hinter denen die Zellen der Insassen sind. Links ist eine weitere Gittertür, durch die man in die anderen Flure und Räumlichkeiten des Gefängnisses gelangt.
Alternativ zur Gittertür könnte man auf der linken Seite auch nur einen Flur andeuten, an dessen – für den Zuschauer aber nicht sichtbaren – Ende die Gittertür ist. Wenn diese auf- und zugeschlossen wird, könnte man das mit entsprechenden Geräuschen unterlegen.
Besetzung:8 Personen variabel: 2-5w, 3-6m Zeit:Gegenwart Spielzeit:ca. 120 Minuten Erschienen bei:Plausus Theaterverlag, Kasernenstr. 56, 53111 Bonn Link zum Verlag:www.plausus.de E-Mail:info@plausus.de